Das klingende 20. Jahrhundert

Ein gemeinschaftliches Audioprojekt von Jung und Alt

Weltkriege und Mauerbau, Nierentisch und Petticoat, Rock‘n Roll und Hippiebewegung. Was passierte in welchem Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts? Welche politischen Ereignisse waren prägend und wie kann man sich die Arbeits- und Lebensbedingungen vor 90,80, 60 oder 30 Jahren vorstellen? Die Radio-AG des Paul-Pfinzing-Gymnasiums in Hersbruck entwickelte im engen Austausch mit Seniorinnen und Senioren des Sigmund-Faber-Heims Hörstücke zu den 1920ern bis zu den 1980er Jahren.

Das Audioguide-Team des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck / Bild: Michael Schober

Das Audioguide-Team des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck / Bild: Michael Schober

Was passierte in den verschiedenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und wie lässt sich das akustisch nacherzählen? Über ein Schuljahr hinweg beschäftigte sich die Radio-AG (Schülerinnen von der 6. bis zur 10. Klasse) des Paul-Pfinzing-Gymnasiums mit diesen Fragen. Getrieben von dem Wunsch das 20. Jahrhundert lebendig werden zu lassen hatte das Sigmund-Faber-Heim, ein Seniorenheim in der Nähe der Schule, mit dem seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft besteht, das Projekt „Epochenwand“ initiiert. Die Schülerinnen bekamen die Möglichkeit, sich mit Seniorinnen und Senioren des Sigmund-Faber-Heims auszutauschen und deren ganz persönliche Erinnerungen an das 20. Jahrhundert kennenzulernen.

Welche Arbeitsschritte liegen vor uns, wo wollen wir hin? / Bild: Dr. Stephan Abt

Welche Arbeitsschritte liegen vor uns, wo wollen wir hin? / Bild: Dr. Stephan Abt

Mediencoach Heike Zimmermann mit der Radio-AG / Bild: Dr. Stephan Abt

Mediencoach Heike Zimmermann mit der Radio-AG / Bild: Dr. Stephan Abt

In vorsichtigen Schritten und mit viel Achtsamkeit auf beiden Seiten näherten sich Jung und Alt in diesem Gemeinschaftsprojekt einander an. Erst als alle vertraut miteinander waren, führten die jungen Reporterinnen des Paul-Pfinzing-Gymnasiums ihre Interviews. Wie haben Sie ganz persönlich die 20er, 30er oder 40er Jahre erlebt? Was hat Sie in dem jeweiligen Jahrzehnt besonders beschäftig? Woran erinnern Sie sich? Es entstanden sehr persönliche Interviews, die Einblicke in den Alltag, das tägliche Leben, die täglichen Ängste, Sorgen, Freuden und persönlichen Glücksmomente im 20. Jahrhundert gewähren.

Tonaufnahmen barfuß durchs Laub / Bild: Marion Bock

Tonaufnahmen barfuß durchs Laub / Bild: Marion Bock

Vorschnitt und Kontrolle der Tonaufnahmen / Bild: Barbara Raub

Vorschnitt und Kontrolle der Tonaufnahmen / Bild: Barbara Raub

Neben den Interviews und den persönlichen Einblicken in das 20. Jahrhundert wollten die Schülerinnen aber auch wichtige politische Ereignisse in ihren Hörstücken abbilden. Jede Arbeitsgruppe recherchierte, welche Höhepunkte und Besonderheiten sich in dem jeweiligen Jahrzehnt in der Politik, in der Unterhaltungsindustrie, im Freizeitbereich, in der Gesellschaft ereigneten. In intensiver Manuskriptarbeit, bei der so manches umgeschmissen und neu geschrieben, überarbeitet und verfeinert wurde, legten die Schülerinnen fest, was sie in ihre Stücke einfließen lassen wollten, welche Aspekte sie jeweils besonders hervorheben wollten. Dass immer nur ein Ausschnitt und nicht das gesamte 20. Jahrhundert zusammengefasst und erzählt werden kann, wurde allen bewusst.

Aufregung im BR-Studio in Nürnberg, denn...  / Bild: Barbara Raub

Aufregung im BR-Studio in Nürnberg, denn... / Bild: Barbara Raub

... jetzt wird es ernst. Alle Texte werden eingesprochen und die Hörstücke abgemischt / Bild: Barbara Raub

... jetzt wird es ernst. Alle Texte werden eingesprochen und die Hörstücke abgemischt / Bild: Barbara Raub

Was wähle ich aus? Wie erzähle ich so, dass man mir gerne zuhört? Wie schreibt man ein Manuskript? Welche Elemente brauche ich, damit mein Hörstück lebendig wird? Bei ihrem Arbeitsprozess unterstützt wurde die Radio-AG von ihrer, in Medienprojekten sehr erfahrenen Lehrerin Barbara Raub und von BR-Mediencoach Heike Zimmermann. Das eingespielte Team gab den Schülerinnen viele wichtige Impulse für die Entwicklung ihrer Stücke, bereitete gemeinsam die Interviews vor, gab Unterstützung bei der Aufnahme von Interviews und Geräuschen und begleitete die Jugendlichen auch ins BR-Studio in Nürnberg, wo die stolzen Autorinnen ihre Stücke schließlich selbst einsprachen und dem Techniker bei der Endabmischung über die Schulter blicken konnten.

Es entstanden sieben spannende Hörstücke, in denen zentrale politische Ereignisse und gesellschaftliche Veränderungen im 20. Jahrhundert elegant mit persönlichen Erinnerungen und Einzelschicksalen verwoben werden. Das 20. Jahrhundert lebendig werden lassen – das gelang nicht nur im Dialog von Alt und Jung, sondern das geschieht auch beim Hören dieser Stücke!

Die Hörstücke

Die 1920er Jahre

Die Schülerinnen Eleni Maier, Ronja Bock und Hannah Speigl im Interview mit Herrn Gerstacker / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Eleni Maier, Ronja Bock und Hannah Speigl im Interview mit Herrn Gerstacker / Bild: Dr. Stephan Abt

Barfuß in die Schule - in den 1920ern war das keine Seltenheit. Wie waren die Lebensbedingungen in diesem politisch bewegten Jahrzehnt und welche Regeln gab es in der Schule? Eleni Maier, Hannah Speigl und Ronja Bock geben einen Einblick.

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Die 1930er Jahre

Die Schülerinnen Ronja Hartmann und Sophia Meyer im Interview mit Frau Eichenmüller, im Hintergrund Mediencoach Heike Zimmermann / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Ronja Hartmann und Sophia Meyer im Interview mit Frau Eichenmüller, im Hintergrund Mediencoach Heike Zimmermann / Bild: Dr. Stephan Abt

In den 1930er Jahren macht sich Hitler und seine NS-Ideologie breit. Einen besonderen Stellenwert bekam der Sport, denn er diente der „Heranzüchtung kerngesunder Körper“, die für den Wehrdienst so wichtig waren. In ihrem Hörstück erinnern Ronja Hartmann und Sophia Meyer daran, wie wichtig es ist, Ideologien und politische Strömungen kritisch zu hinterfragen.

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Die 1940er Jahre

Die Schülerinnen Anna Sollner, Felicia Pollinger und Michelle Ermer im Interview mit Frau Prenzel / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Anna Sollner, Felicia Pollinger und Michelle Ermer im Interview mit Frau Prenzel / Bild: Dr. Stephan Abt

Kriegsende bedeutet nicht automatisch Frieden. Das erlebten die Sudetendeutschen Mitte der 40er Jahre. Unter ihnen auch Elisabeth Prenzel, die damals aus Brünn vertrieben wurde...

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Die 1950er Jahre

Die Schülerinnen Elena Cruz und Kajsa Schultze im Interview mit Frau Schmidt / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Elena Cruz und Kajsa Schultze im Interview mit Frau Schmidt / Bild: Dr. Stephan Abt

Die 50er Jahre - Pünktchenkleider und Rock `n’ Roll, Elvis Presley und Marilyn Monroe, Nierentisch und tolle Küchengeräte. Wie kann man sich aber den Alltag in diesem ersten Jahrzehnt nach dem Krieg vorstellen? Interviewpartnerin Elisabeth Schmidt erinnert sich gerne an die 50er Jahre.

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Die 1960er Jahre

Die Schülerinnen Liv Schultze, Alicia Willinsky und Amelie Wirth im Interview mit Frau Hilboll / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Liv Schultze, Alicia Willinsky und Amelie Wirth im Interview mit Frau Hilboll / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Beatles, die Hippiebewegung und die Landung auf dem Mond - In den 60er Jahren wurde die Grundlage für den modernen westlichen Lebensstil gelegt. Wie hat Frau Hilboll dieses Jahrzehnt erlebt?

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Die 1970er Jahre

Die Schülerinnen Katharina Panzer und Anna Kolb im Interview mit Herrn Raum / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Katharina Panzer und Anna Kolb im Interview mit Herrn Raum / Bild: Dr. Stephan Abt

Schlaghosen, erste Videospiele, Friedens- und Umweltbewegungen, RAF. Zwei Ausstellungsbesucherinnen entdecken, dass die 70er Jahre so einiges zu bieten haben.

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Die 1980er Jahre

Die Schülerinnen Annika Brunner und Tina Sollner im Interview mit Frau Kiefer / Bild: Dr. Stephan Abt

Die Schülerinnen Annika Brunner und Tina Sollner im Interview mit Frau Kiefer / Bild: Dr. Stephan Abt

In den 80er Jahren war Deutschland noch geteilt. Wie kann man sich das Leben in der ehemaligen DDR vorstellen? Im Interview erinnert sich Frau Kiefer lebhaft an Begebenheiten, die sie so aus dem Westen nicht kannte.

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